Ratgeber
Helmschale aus Polycarbonat, Fiberglas oder Carbon
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Kurz gesagt
Helmschalen aus Thermoplast wie Polycarbonat werden gespritzt und sind günstig in der Herstellung. Fiberglas und andere Faserverbunde werden in Lagen aufgebaut und erlauben oft leichtere, steifere Schalen. Carbon gilt als besonders leicht, ist aber aufwendig. Für die Zulassung zählt jedoch die bestandene ECE-Prüfung des ganzen Helms, nicht das Schalenmaterial allein.
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Thermoplast, Polycarbonat, Fiberglas, Verbundfaser, Aramid oder Carbon: In Produktbeschreibungen tauchen viele Materialbegriffe auf. Diese Seite erklärt, was dahintersteckt, wie die Schalen hergestellt werden und welche Unterschiede bei Gewicht und Aufwand typisch sind. Sie richtet sich an alle, die verstehen möchten, ob sich ein Carbonhelm lohnt oder ob ein Thermoplasthelm genügt. Und sie zeigt, warum das Material allein wenig darüber sagt, wie gut ein Helm die Normprüfung besteht.
Aufgabe der Außenschale
Die Außenschale ist nur ein Teil des Schutzsystems. Sie soll die Kraft eines Aufpralls auf eine größere Fläche verteilen, das Eindringen spitzer Gegenstände verhindern und beim Rutschen über Asphalt Abrieb aushalten. Die eigentliche Energieaufnahme übernimmt zum großen Teil die EPS-Innenschale darunter.
Schale und Innenschale werden vom Hersteller aufeinander abgestimmt. Eine sehr steife Schale braucht eine andere EPS-Abstimmung als eine flexiblere. Deshalb lässt sich aus dem Schalenmaterial allein nicht ableiten, wie ein Helm insgesamt abschneidet. Entscheidend ist, dass der ganze Helm die Prüfung nach ECE 22.06 bestanden hat.
Zur Außenschale gehören außerdem Anbauteile wie Visiermechanik, Lüftungsschieber, Spoiler und bei Klapphelmen das Kinnteil mit seinen Gelenken. Auch sie beeinflussen Gewicht und Verhalten des Helms. Ein Hersteller kann deshalb mit derselben Schale je nach Ausstattung recht unterschiedliche Helme bauen. Umgekehrt nutzen viele Marken innerhalb einer Modellfamilie das gleiche Material in verschiedenen Varianten, etwa eine Standardversion und eine Carbonversion mit sonst ähnlicher Ausstattung.
Die Materialien im Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die typischen Eigenschaften zusammen. Sie beschreibt Tendenzen, die je nach Modell, Konstruktion und Größe stark variieren können.
| Material | Herstellung | Gewicht (Tendenz) | Typisch bei |
|---|---|---|---|
| Thermoplast (z. B. Polycarbonat, ABS) | Spritzguss | eher höher | Einstiegs- und Mittelklasse |
| Fiberglas (GFK) | Lagen aus Glasfaser und Harz | mittel | Mittel- und Oberklasse, Retro |
| Verbundfaser (Mischung) | Lagen aus Glas-, Aramid-, Carbonfasern | mittel bis niedrig | Ober- und Sportklasse |
| Carbon | Lagen aus Kohlefaser und Harz | eher niedrig | Premium, Sport, Rennstrecke |
Thermoplast und Polycarbonat
Thermoplastische Kunststoffe wie Polycarbonat oder ABS werden erhitzt und in eine Form gespritzt. Das Verfahren ist gut automatisierbar und präzise. Thermoplast-Helme sind deshalb häufig in der Einstiegs- und Mittelklasse zu finden. Sie sind nicht automatisch schlechter: Auch sie müssen die gleiche Normprüfung bestehen.
Ein Nachteil ist oft das Gewicht, weil für die nötige Festigkeit mehr Material eingesetzt wird. Außerdem reagieren manche Thermoplaste empfindlich auf Lösungsmittel und bestimmte Aufkleber. Halten Sie sich bei der Pflege an die Angaben des Herstellers. Beispiele aus unseren Ratgebern laut Listing: der HJC i40N Dova mit Polycarbonatschale und der Nolan N100-6 Classico N-Com aus Polycarbonat.
Fiberglas, Verbundfaser und Carbon
Faserverbundschalen werden aus Matten oder Geweben aufgebaut, die mit Harz getränkt und in einer Form ausgehärtet werden. Viele Hersteller kombinieren verschiedene Fasern: Glasfaser für Zähigkeit, Aramid für Festigkeit, Carbon für geringes Gewicht. Diese Bauweise erlaubt steife und vergleichsweise leichte Schalen, ist aber aufwendiger in der Herstellung.
Carbon ist das leichteste der gängigen Materialien, gemessen an der Festigkeit. Laut Listing gibt LS2 für den FF807 Dragon Carbon etwa 1.280 g und für den Vector II Carbon etwa 1.300 g an. Schuberth nennt beim S3 und J2 eine Glasfaserschale, AGV beim K6 S eine Schale mit Aramidfaser. Eine Auswahl leichter Modelle zeigt der Ratgeber Carbon-Motorradhelme.
Ein Nachteil der Faserverbunde ist neben dem Aufwand, dass Schäden nach einem Aufprall innen liegen können, etwa wenn sich Faserlagen voneinander lösen. Von außen ist dann oft nichts zu sehen. Das gilt aber für alle Materialien gleichermaßen: Nach einem Sturz empfehlen die Hersteller den Austausch, mehr dazu in Motorradhelm nach Sturz oder Fall.
Hinweis:Gewichtsangaben der Hersteller beziehen sich meist auf eine bestimmte Größe und Ausstattung. Vergleichen Sie nur Angaben, die sich auf vergleichbare Größen beziehen.
Was das Material für Sie bedeutet
Für die meisten Fahrer ist das Schalenmaterial weniger wichtig als Passform, Bauform und Ausstattung. Ein leichterer Helm kann auf langen Touren den Nacken entlasten. Das Gewicht hängt aber auch von Sonnenblende, Klappmechanismus, Polstern und Schalengröße ab. Mehr dazu lesen Sie in Wie schwer ist ein Motorradhelm? und Schalengrößen erklärt.
Achten Sie beim Kauf zuerst auf die Zulassung nach ECE 22.06 und die passende Größe. Erst danach lohnt der Blick auf das Material. Wie Sie Ihre Größe finden, beschreibt Motorradhelm-Größe ermitteln.
- Zulassung nach ECE 22.06 prüfen
- Passform vor Material stellen
- Gewichtsangaben nur bei vergleichbarer Größe vergleichen
- Bauform und Ausstattung beeinflussen das Gewicht oft stärker als das Material
Häufige Fragen
Ist ein Carbonhelm sicherer als ein Thermoplasthelm? Das lässt sich am Material allein nicht festmachen. Beide müssen dieselbe Normprüfung bestehen. Carbon bringt vor allem einen Gewichtsvorteil.
Warum sind Fiberglashelme oft teurer? Die Fertigung in Lagen ist aufwendiger und weniger automatisiert als der Spritzguss bei Thermoplast.
Was bedeutet Verbundfaser bei HJC oder anderen Marken? Damit sind Schalen gemeint, die verschiedene Fasern kombinieren, etwa Glas-, Aramid- und Carbonfasern. Die genaue Zusammensetzung beschreibt der Hersteller.
Altert Thermoplast schneller als Fiberglas? Alle Materialien altern durch UV, Wärme und Chemikalien. Maßgeblich ist die Empfehlung des Herstellers zur Nutzungsdauer; mehr dazu in Wie lange hält ein Motorradhelm?.
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